Falsche Freiheit (14. May 2008)
Bei meiner Lieblingszeitung DIE ZEIT gibt es wieder einen sehr interessanten Artikel zur Obdachlosigkeit in Deutschland bzw. den Industrieländern:
“‘Burkina Faso ist ein Entwicklungsland, aber nur Narren essen und schlafen draußen’, singt Zêdes, ein Sänger aus Burkina Faso, in einem seiner Lieder. Tatsächlich gibt es keine Obdachlosen in Zêdes’ Heimatland – obwohl es zu den ärmsten Staaten der Welt gehört.
In Westeuropa dagegen leben Menschen Tag und Nacht auf der Straße. Sie schlafen auf Kartons, in Einkaufsstraßen, auf Parkbänken.”
Dazu wurden Interviews mit Obdachlosen geführt (als Audio verfügbar), besonders fasziniert hat mich Frank, der nicht nur seine Wohnung, sondern seinen guten Job samt Frau aufgegeben hat und sich jetzt besser fühlt.
“Warum ich auf der Straße bin? Weil ich keine Lust mehr gehabt hab’ zu Hause zu wohnen. Ich hatte eine Wohnung, ich hatte eine Frau, hatte eine Arbeit. Meine Frau hat mir 30 Jahre lang das Leben zur Hölle gemacht. Das hat mich auch mal ein Polizist gefragt vor zwei Monaten, weil ich so locker und gelöst war hat er mich gefragt: ‘Fühlen Sie sich wohl da wo Sie jetzt sind?’ Da habe ich gesagt: Ja ich fühle mich hunderttausend mal wohler wo ich herkomme.’ Kann man nicht versehen, das werden Sie auch nicht versehen. Ich habe einen Beruf gehabt, 2800 Euro netto verdient. Und heute verdiene ich fünf Euro netto am Tag – wenn ich Glück hab’. Aber ich fühle mich hier wohler. Ich hab’ hier Freunde, ich kann hier tun und lassen was ich will, ich kriege nichts vorgeschrieben. Nicht was ich anziehe, nicht wo ich hinzugehen hab’, gar nichts. Wie meine Frau das gemacht hat. Die hat sogar für mich die Kleidung gekauft. Ich konnte mir nicht einmal ein paar Strümpfe kaufen, ohne dass Sie ihr OK gegeben hat.”
Ich bin sehr erstaunt von dieser Aussage, denn bei den anderen Interviewpartnern klang es eigentlich anders. Ich selbst habe eine kurze Zeit auf der Straße gelebt, aus mehr oder weniger freiwilligen Gründen und weiß auch anderes zu berichten. Gerade Bahnhöfe, die oftmals als Unterschlupf dienen, sind zugleich eine gefährliche Sache. Wer wirkliche Freiheit sucht, wird diese nicht auf der Straße finden. Wer sich von seiner Frau diktieren lässt, was er anzuziehen hat, sollte eher in Erwägung ziehen, die Beziehung zu beenden. Jetzt muss er zum Mitternachtsbus der Diakonie und sich essen zu holen.
Old School (12. May 2008)
Diggin’ in the crates, aber wirklich. Bei meiner Aufräumaktion habe ich einen Schatz aus längst vergangenen Tagen gefunden. Meine ersten Gehversuche mit Rap, inzwischen mehr als 6 Jahre alt.
“Main City”, erster Track überhaupt, damals war ich noch 14.
Anschließend der zweite Track von mir, der einen anderen Ton anschlägt, “Mal was über mich”.
Damals unter dem Pseudonym “Pito AnaL” statt Fenryl. Weshalb so ein Name? Damals ging es nur darum, die Meute zu schockieren, die ersten Texte gingen komplett in eine andere Richtung und haben sogar dafür gesorgt, dass die Polizei eingeschaltet wurde.
Kein Witz: Als ich einen meiner Texte (samt meines bizarren Logos) im privaten Spanisch-Unterricht habe liegen lassen, hat die Lehrerin, die danach unterrichtet hat, die Polizei gesucht. Gott sei dank konnte meine Spanisch-Lehrerin das schlimmste abwenden.
Mir hätte eine Anzeige wegen Landfriedensbruch gedroht, zumindest wollte mich die Lehrerin damit dran kriegen. Dabei waren es nur Texte gegen Nazis, damals im pubertären Leichtsinn geschrieben. Natürlich waren das die Worte der Lehrerin, heute sehe ich das entspannte. Mit 14 Jahren habe ich mich gefühlt wie James Dean.
PS: Wer jetzt ankommt mit: “Uuuuh, wie whack!” Damals ging es noch nicht um Doppelreime, von der ganzen Technik hatten wir keinen Plan. Heute hat das einen ganz anderen Maßstab, die Qualität steht stärker im Vordergrund. Bedenkt man, dass “Mal was über mich” und “Main City” meine ersten Aufnahmen überhaupt waren, kann man sich bei dem entspannten Flow eine Scheibe abschneiden.
Ganz anders nämlich Periphair, heute auch bekannt unter Scibo Burask: Texte schon erste Sahne, war der Flow noch nicht ganz so ausgeprägt.
Periphair – Phairy Tales
Sieht man heute seine Raps, hat sich da sehr sehr viel getan.
Update: Gerade noch mein altes Textbuch gefunden, Fotos davon müssen natürlich auch noch sein.
Informe de la prensa
Es gab einige Veränderungen in meinem Leben, die sich über die letzten Jahre hingezogen haben. Weniger entscheidend waren die letzten Woche, vielmehr die Monate davor.
Wenigen wird wirklich bewusst sein, welche tatsächlichen Wechsel in meinem Leben vorgenommen worden sind, welche Entscheidungen getroffen worden sind, die sich bereits in wenigen Monaten, teilweise auch schon jetzt offenbaren werden.
Ich will die Dinge gar nicht vertiefen, aber meiner Mitteilungspflicht nachkommen – nicht, dass sich jemand im Nachhinein wundert.
Unmittelbar betroffen sein werden nicht alle – zumindest nicht sofort. Ganz sicher ist es kein geglückter Putschversuch. Kein Despot hat mein Herz eingenommen. Weiterhin bin ich der taumelnde Soldat, mit dem Gewehr in der Hand, der Blauen Blume im Lauf.
An einige: ¡Adiós!. An andere: ¡Bienvenidos!
Ansia, ya no eres más parte de mi vida. No lo intentes, estoy siempre preparado para disparar.
La cuarta, deja de mandar me postales, que no reflejan el intimo de mi alma. No me afectan y todo que me queda es quemar tus letras.
Mi mundo es incomporable con el vuestro. Impenetrable, confuso y doloroso para corazónes frágiles.
Gerechtigkeit (3. May 2008)
“Stress”, so der Titel des neuen Videos von Justice. Dieses Mal passt es zum 1. Mai und den ganzen Krawallen.
Denn anders als die Vorgänger, die mit grafischen Wunderwerken brilliert haben, geht es hier um Jugendgewalt, fast wie eine Milieu-Studie über die Banlieues Frankreichs.
Mann der Inspiration (1. May 2008)
Ich halte Karl Lagerfeld, Chef-Design bei Chanel, für eine der größten Ikonen.
Über Spreeblick bin ich auf sein Interview mit Amir Kassaei (wirkt verängstigt) gestolpert. Und wie dort schon angemerkt: So gut wie jeder Satz von Lagerfeld trifft es und inspiriert mich. Aber was will man von so einem belesenen Mann (mehr als 300.000 Bücher in seinem Besitz) erwarten?
“Ja wissen Sie das Wort ‘Marketing’ da bin ich persönlich dagegen, weil ich das Wort so fürchterlich finde. Auf Deutsch, was heißt das? ‘Auf den Markt gehen?’ (…) Das sind die, die die Kreativen sterilisieren oft, ne?”
“Wissen Sie, Chanel gehört zwei Brüdern. Da sind keine Aktien auf der Börse, wir können machen was wir wollen. Da wird nicht gerechtfertigt. Da kann das Geld aus dem Fenster geschmissen werden, dann kommt’s durch die Tür nämlich sofort wieder rein.”
Paris, Tokyo (19. April 2008)
Da muss ich nicht viele Worte verlieren. Sehr gutes Video zu meinem Lieblingssong “Paris, Tokyo”.
Polittalk (9. April 2008)
Wenn man sich an die deutsche Rap-Landschaft der letzten Jahre erinnert, kam besonders aus der berliner Szene nichts mit viel Tiefsinn.
Es ist nicht so, dass sich der Trend in eine andere Richtung entwickelt, aber das hier ist ein positives Beispiel: Alpa Gun, bei Sidos Sektenmuzik unter Vertrag, hat mich bereits vor einem Jahr mit “Ausländer” überzeugt. Die aktuelle Single “Mein Weg” schlägt in die selbe Kerbe – seine kommende EP will in erster Linie politische Inhalte transportieren und wird von mir wahrscheinlich gekauft.
Bedenken sollte man auch, wer dieser Alpa Gun ist. Zu einer Berühmtheit in den Weiten den Internets wurde er durch seine Hasstirade gegen Azad (“Azad du Hund!”) – hätte nicht gedacht, dass er dabei so interessanten Rap machen kann.
Fremde Welten (3. April 2008)
Für viele Menschen ist die Einsamkeit etwas negatives. Für viele stellt sie das Gegenteil von Liebe dar, wird mit Kälte verbunden.
Oftmals wurde ich mit Diskussionen konfrontiert, habe gut gemeinte Ratschläge erhalten. Dass die Einsamkeit nichts für den Menschen ist, dass ich mich für Liebe entscheiden soll; also für das gute, für die Menschlichkeit. Kälte wurde mir unterstellt, Agressivität und Unmenschlichkeit.
Es ist nicht so, dass ich durchs Leben gehe, mit dem Zwang überall zu erwähnen, dass die Einsamkeit für mich die Krönung des Lebens darstellt, während der Rest sich hinten anstellen kann. Man merkt es mir auch nicht in der Gesellschaft an – schließlich benötige ich keine unnötige Aufmerksamkeit. Wenn man mich aber näher kennenlernt, meiner Seelen freien Lauf lässt, offenbart sich meine Sichtweise über die Geselligkeit.
Es gibt Gründe, weshalb ich mich für die Einsamkeit entschieden habe und sage, dass dies für mich persönlich die bestmögliche Lebensweise darstellt. Einsamkeit, das ist für mich eine Herausforderung, ein weites Meer für mich. Durch Einsamkeit erlange ich Freiheit in einer Form, die ansonsten nicht ausgekostet werden kann.
Sicher, einsam zu sein, das verlangt Stärke. Und selbst ich zweifle manchmal daran, ob ich tatsächlich den richtigen Weg eingeschlagen habe. Nur, wer kennt sie nicht, die Zweifel? Vielleicht ein Schaf, das in seiner Herde marschiert?
Nur weil ich gerne alleine bin, bedeutet es nicht, dass ich mich der dunklen Macht verschrieben habe, dass ich mit dem Gewehr auf Zivilisten schieße und gegen die Gesellschaft wettere. Das ist überhaupt nicht der Fall. Ich leider unter keiner Phobie und muss Menschen meiden, ich sitze nur gerne da, inmitten meiner Seele, höre die Einsamkeit.
Ich bin nicht immer glücklich mit meinem Zustand, aber es ist immer noch besser als gewisse Alternativen, die mich in Ketten legen. Nach all den Jahren die ich gelebt habe, sollte ich inzwischen wissen, was mein Herz glücklich stimmt. Ich brauche keine Ratschläge mehr. Viele Jahre hat sie mir keine gegeben, heute bin ich taub für sie. Taub, weil manche ignorante Waffen einsetzen, die gegen Konventionen verstoßen. Mag ich der Taube sein, sind sie die Blinden.
Elenas Grab ist nicht unweit von hier, sie hat es so gewollt. Weitere Opfer – außer mich selbst – wird dieser Krieg nicht mehr fordern.
Homecoming feat. Chris Martin (1. April 2008)
“Homecoming” mit Chris Martin, einer meiner Lieblingstracks von “Graduation”. Gefällt mir sehr gut, das Video – auch wenn Common etwas weirdo ‘rüberkommt.
Italiens Spaghetti-Bäume
Es ist der erste April, die Zeit für Scherze. Ich für meinen Teil habe heute keinen gemacht (19:41 Uhr) einen zwei (22:24) gemacht und auch keinen bekommen – um mir einen Streich zu spielen muss man sowieso Anstrengungen auf sich nehmen, schließlich habe ich hier Maßstäbe gesetzt (man erinnert sich).
Ein meisterlicher Aprilscherz, dem sehr viele Menschen auf den Leim gegangen sind, ist dieser Bericht von BBC aus dem Jahre 1957, in dem es um die Spaghetti-Ernte in Italien geht. Unfassbar, wie viele Menschen nach der Sendung bei der BBC angerufen haben, um einen Spaghetti-Baum zu bekommen. Das beste: Auf die Frage antwortete BBC: Etwas Spaghetti in eine Dose Tomaten-Sauce stecken.
