Tipp: Y Societys neues Album (28. October 2007)
Die Zeiten haben sich geändert - Musik hat sich geändert, Hip Hop hat sich geändert. Früher waren sie die stilbildenden Gruppen, heute schimpft man sie als Musik für die “Backpacker” und Inspiration für “Stundenten-Rapper”. Was man stattdessen im Fernsehen sieht, sind häufig Karrikaturen - triebgesteuerte Superpimps mit schnellen Autos, der tristen Villa und den willenlosen Biatches. Langsam scheint es eine Trendwende zu geben, hat nicht zuletzt Kanye West gegen 50 Cent im Rennen der Plattenverkäufe gewonnen. Ob das in Hinblick auf den wirklich intelligenten Hip Hop aus den 90ern eine Wahl zwischen Pest und Cholera ist, soll an anderer Stelle diskutiert werden.
Ich für meinen Teil kann ihn nicht loslassen, den Rap von damals: A Tribe Called Quest, Rakim, Slum Village, Pete Rock & C.L. Smooth, De La Soul… Selbst die Gangster-Rapper wie N.W.A oder Mobb Deep hat zu diesen Zeiten noch innovative Texte und eindrucksvolle Produktionen. Heute wird man abgespeist mit den ewig selben Themen und den selben primitiven Beats… Es ist nicht mehr feierlich. Und, ehe jemand aufschreit: Ausnahmen bestätigen die Regel.
Die Suche gestaltet nach der Essenz ist bisweilen beschwerlich, rufe mir dabei die Zeilen von Westernhagen hervor: “War nie wirklich weg, hab mich nur versteckt.” Verstecken braucht man sich wirklich nicht, denn im stinkenden Maul vom heutigen Hip Hop wirkt der vermeintliche Untergrund frisch wie Kaugummi.
Eins dieser Spearmints möchte ich euch heute präsentieren: Y Society mit ihrem Album Travel At Your Own Pace, erschienen am 9. Oktober 2007.
Kurz zu den Personalien der agierenden Künstler: Verantwortlich sind Insight (MC und Producer) und Damu the Fudgemunk (DJ und Producer). Und das was sie abliefern, weiß zu gefallen.
Treibende, roughe Drums, gewürzt mit Jazz-Trompeten mit einer Brise Scratches ergeben ein Beatmeisterwerk mit der Note der Old-Schoolzeiten á la Pete Rock. Dennoch ist der Geschmack frisch, da innovative Samples einfließen und Insight mit sehr guten Flow das ganze veredelt. Was man besonders bei vielen Mainstream-Album vermisst: Eine homogene, dennoch individuelle Sound-Kulisse. Jeder Track für sich ein eigenständiges Werk, bildet das Album in seiner Gesamtheit ein einheitliches Muster.
Zum Reinhören:
Y Society – This is an Introduction
Y Society – Never Off (On & On)
Die Tracks im last.fm-Player geben euch einen kleinen Einblick. Wenn es euch gefällt, kauft es euch bei Amazon oder im Plattenladen eures Vertrauens. Ich kann’s nur empfehlen!
