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Rechtsradikaler Hintergrund liegt nicht vor (30. May 2008)

Vor fast einem Jahr berichtete ich über den Vorfall in Guntersblum, der mich erschütterte, obgleich er mich auch bestätigte. Hier gibt es eine rechtsradikale Szene, mit der ich auch schon Bekanntschaft gemacht habe.

Heute wurde vor dem Mainzer Amtsgericht das Urteil verlesen: Milde Strafen gegen die Täter. Alle vier Angeklagten kommen mit Bewährungsstrafen von 1 1/2 Jahre bis 7 Monate davon und müssen ein Schmerzensgeld von 8000 Euro zahlen. Einer von ihnen wurde zu 80 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt, da er zur Tatzeit noch ein Jugendlicher war.

Ernüchternd: Obwohl Teilgeständnisse vorlagen und von den Tätern auch zugegeben wurde, dass “Scheiss Neger” gefallen ist, ging das Gericht von keinem rechtsradikalen Straftat aus:

“‘Wir gehen ganz klar von einer Tat mit einer gegen Ausländer gerichteten feindlichen Gesinnung aus’, sagte der Vorsitzende Richter. Ein rechtsradikaler Hintergrund im Sinne einer organisierten Tat liege jedoch nicht vor. Das Urteil lautete auf gemeinschaftlich begangene gefährliche Körperverletzung.”

Der Unterschied zwischen einem ausländerfeindlichen und einem rechtsradikalen Hintergrund ist meiner Meinung nach marginal. Hier aber von einer “normalen” Schlägerei zu sprechen ist in Anbetracht dieser Sache eine Schande:

“Bob L. kann darüber nicht einmal lächeln. Seit dem Prozess weiß er, dass der 27-jährige Christian S., der als Erster auf ihn einschlug und eintrat, schon vor zehn Jahren das erste Mal mit seiner rechtsextremen Clique zuschlug. Damals überfiel er mit dem ebenfalls im Guntersblum-Prozess angeklagten Peemann D. und fünf weiteren Nazi-Skinheads das Jugendzentrum Bingen. Mit Baseballschlägern prügelten sie auf Besucher ein und schrien ‘Zecken sollen verrecken’, ‘Deutschland den Deutschen, Ausländer raus’. Zwei Jahre später beteiligte sich S. an einer Schändung der KZ-Gedenkstätte Rodingen, und im Mai 2004 schlug er nachts mit anderen Rechten einen türkischen Mann an einer Bushaltestelle in der Nähe des Mainzer Hauptbahnhofs zusammen. Und von dem jüngsten Angeklagten, einem heute 18-jährigen Gymnasiasten, existieren Fotos, die ihn schon als 15-Jährigen bei einem Neonaziaufmarsch in der rheinland-pfälzischen Kleinstadt Alzey zeigen.”

Ein schwacher Trost bleibt auch, dass die angeklagten Männer sich bei den Opfern entschuldigt haben und sogar einen Teil der Summe bereits vor Ort ausgezahlt haben.

“Fragt man Bob L., wie lange er schon in Deutschland lebt, antwortet er ganz exakt: ‘Acht Jahre, sechs Monate und neun Tage.’ Er sagt, das Weinfest in Guntersblum habe er besucht, weil er sich für “die Sitten und Traditionen in meinem neuen Heimatland” interessiere. Schließlich schütze er ja auch die Sicherheit der Deutschen bei seiner Arbeit am Frankfurter Flughafen. Doch er selbst fühlt sich in dieser Heimat nicht mehr sicher.”

In den heutigen Zeiten werden wir zum Zwecke der Terrorabwehr unserer Freiheitsrechte beraubt, während die wahre Gefahr, vor der es uns alle zu schützen gilt, auf freiem Fuß ist.

Ein wahrer Kanzler (28. May 2008)

Helmut Schmidt
© Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz


Altkanzler Helmut Schmidt war letzte Woche im ARD bei Sandra Maischberger zu Gast.

Politiker haben laut Umfragen sehr an Beliebtheit und Vertrauen verloren. Ein Grund dafür ist für mich fehlendes Charisma. Fehlende Leidenschaft in Reden, die laut sind, aber ohne Inhalt.

Helmut Schmidt, den ich als Mitherausgeber meiner Lieblingszeitung DIE ZEIT kenne, ist anders und für mich eine große Figur der Politik (Deutschland wie auch die Welt). Weniger, weil ich seine Ansichten teile, sondern weil er ein prägnanter Charakter ist. Eigenbrödlerisch und sturr mag er auf viele wirken, ich habe die Sendung zu später Stunde einfach genossen.

Die ganze Sendung findet sich in der ARD-Mediathek.

Cookin’ Soul - Thinkin’ Big (19. May 2008)

Cookin’ Soul, ein Produzenten-Trio aus Valencia (Spanien), hat sich mit 3 Mixtapes inzwischen einen Namen gemacht - einen kleinen Namen, denn vielen dürften die Beats von Big Size, Zock und Milton noch nicht zu Ohren gekommen sein. Und das obwohl sie bereits für JR Writer, Joell Ortiz oder auch Ali Vegas produziert haben.

Das dritte Mixtape (Thinkin’ Big) der Muchachos mit Remixes von Jay Z, Notorious BIG, The Game, Scarface und vielen mehr treibt seit kurzem in den Weiten des Internets und ist für jeden Head ein Pflicht-Download.

Wer noch etwas skeptisch ist, dem will ich eine kleine Kostprobe geben, damit auch er beherzigt den Link klicken kann (*.zip, ca. 93 MB, Direkt-Download auf der Seite).

iSneak (18. May 2008)

Wer hätte das gedacht: Metal Gear Solid 4, der erwartete Mega-Seller für die PlayStation 3, setzt auf Product Placement.

Metal Gear Solid 4 - Product Placement Metal Gear Solid 4 - Product Placement Metal Gear Solid 4 - Product Placement Metal Gear Solid 4 - Product Placement Metal Gear Solid 4 - Product Placement Metal Gear Solid 4 - Product Placement

Nettes Gimmick oder tatsächlich effektiver Faktor um Kosten zu senken? Ich frage mich nur, wie sich der iPod einsetzen lassen soll. Wer das Logo auf dem Handy nicht zuordnen kann: Sony Ericsson, das Motorrad ist von Triumph Motorcycles.

Regai ist ein japanischer Energy-Drink, einen Werbeclip mit Solid Snake gibt es natürlich auch:

Via

All the girls standing in the line for the bathroom

N*E*R*Ds neue Single “Everyone Nose” sollte nicht wenigen bekannt sein, schließlich gabs die MP3 bei Billionaire Boys Club (Pharrells Modelabel) vorab zum Download. Jetzt ist das Video dazu entschieden. Ganz nett, meiner Meinung nach wird das eigentliche Thema (Kokain-Konsum) nur ansatzweise angeschnitten.

Das Album “Seeing Sounds” erscheint sehr wahrscheinlich am 10. Juni, Cover und Tracklist gibt es auch schon:

Seeing Sounds (Cover)

  1. Intro
  2. Everyone Nose
  3. Spaz
  4. Time For Some Action
  5. Kill Joy
  6. Anti Matter
  7. Happy
  8. Sooner or Later
  9. Windows
  10. Yeah You
  11. You Know What
  12. I Can’t Get It Out My Head
  13. Someday I’ll Laugh About It
  14. Laser Gun Carrying
  15. Love Bomb

Falsche Freiheit (14. May 2008)

Bei meiner Lieblingszeitung DIE ZEIT gibt es wieder einen sehr interessanten Artikel zur Obdachlosigkeit in Deutschland bzw. den Industrieländern:

“‘Burkina Faso ist ein Entwicklungsland, aber nur Narren essen und schlafen draußen’, singt Zêdes, ein Sänger aus Burkina Faso, in einem seiner Lieder. Tatsächlich gibt es keine Obdachlosen in Zêdes’ Heimatland – obwohl es zu den ärmsten Staaten der Welt gehört.

In Westeuropa dagegen leben Menschen Tag und Nacht auf der Straße. Sie schlafen auf Kartons, in Einkaufsstraßen, auf Parkbänken.”

Dazu wurden Interviews mit Obdachlosen geführt (als Audio verfügbar), besonders fasziniert hat mich Frank, der nicht nur seine Wohnung, sondern seinen guten Job samt Frau aufgegeben hat und sich jetzt besser fühlt.

“Warum ich auf der Straße bin? Weil ich keine Lust mehr gehabt hab’ zu Hause zu wohnen. Ich hatte eine Wohnung, ich hatte eine Frau, hatte eine Arbeit. Meine Frau hat mir 30 Jahre lang das Leben zur Hölle gemacht. Das hat mich auch mal ein Polizist gefragt vor zwei Monaten, weil ich so locker und gelöst war hat er mich gefragt: ‘Fühlen Sie sich wohl da wo Sie jetzt sind?’ Da habe ich gesagt: Ja ich fühle mich hunderttausend mal wohler wo ich herkomme.’ Kann man nicht versehen, das werden Sie auch nicht versehen. Ich habe einen Beruf gehabt, 2800 Euro netto verdient. Und heute verdiene ich fünf Euro netto am Tag - wenn ich Glück hab’. Aber ich fühle mich hier wohler. Ich hab’ hier Freunde, ich kann hier tun und lassen was ich will, ich kriege nichts vorgeschrieben. Nicht was ich anziehe, nicht wo ich hinzugehen hab’, gar nichts. Wie meine Frau das gemacht hat. Die hat sogar für mich die Kleidung gekauft. Ich konnte mir nicht einmal ein paar Strümpfe kaufen, ohne dass Sie ihr OK gegeben hat.”

Ich bin sehr erstaunt von dieser Aussage, denn bei den anderen Interviewpartnern klang es eigentlich anders. Ich selbst habe eine kurze Zeit auf der Straße gelebt, aus mehr oder weniger freiwilligen Gründen und weiß auch anderes zu berichten. Gerade Bahnhöfe, die oftmals als Unterschlupf dienen, sind zugleich eine gefährliche Sache. Wer wirkliche Freiheit sucht, wird diese nicht auf der Straße finden. Wer sich von seiner Frau diktieren lässt, was er anzuziehen hat, sollte eher in Erwägung ziehen, die Beziehung zu beenden. Jetzt muss er zum Mitternachtsbus der Diakonie und sich essen zu holen.

Old School (12. May 2008)

Diggin’ in the crates, aber wirklich. Bei meiner Aufräumaktion habe ich einen Schatz aus längst vergangenen Tagen gefunden. Meine ersten Gehversuche mit Rap, inzwischen mehr als 6 Jahre alt.

“Main City”, erster Track überhaupt, damals war ich noch 14.

Anschließend der zweite Track von mir, der einen anderen Ton anschlägt, “Mal was über mich”.

Damals unter dem Pseudonym “Pito AnaL” statt Fenryl. Weshalb so ein Name? Damals ging es nur darum, die Meute zu schockieren, die ersten Texte gingen komplett in eine andere Richtung und haben sogar dafür gesorgt, dass die Polizei eingeschaltet wurde.

Kein Witz: Als ich einen meiner Texte (samt meines bizarren Logos) im privaten Spanisch-Unterricht habe liegen lassen, hat die Lehrerin, die danach unterrichtet hat, die Polizei gesucht. Gott sei dank konnte meine Spanisch-Lehrerin das schlimmste abwenden.

Mir hätte eine Anzeige wegen Landfriedensbruch gedroht, zumindest wollte mich die Lehrerin damit dran kriegen. Dabei waren es nur Texte gegen Nazis, damals im pubertären Leichtsinn geschrieben. Natürlich waren das die Worte der Lehrerin, heute sehe ich das entspannte. Mit 14 Jahren habe ich mich gefühlt wie James Dean.

PS: Wer jetzt ankommt mit: “Uuuuh, wie whack!” Damals ging es noch nicht um Doppelreime, von der ganzen Technik hatten wir keinen Plan. Heute hat das einen ganz anderen Maßstab, die Qualität steht stärker im Vordergrund. Bedenkt man, dass “Mal was über mich” und “Main City” meine ersten Aufnahmen überhaupt waren, kann man sich bei dem entspannten Flow eine Scheibe abschneiden.

Ganz anders nämlich Periphair, heute auch bekannt unter Scibo Burask: Texte schon erste Sahne, war der Flow noch nicht ganz so ausgeprägt.

Periphair - Phairy Tales

Sieht man heute seine Raps, hat sich da sehr sehr viel getan.

Update: Gerade noch mein altes Textbuch gefunden, Fotos davon müssen natürlich auch noch sein.

Informe de la prensa

Es gab einige Veränderungen in meinem Leben, die sich über die letzten Jahre hingezogen haben. Weniger entscheidend waren die letzten Woche, vielmehr die Monate davor.

Wenigen wird wirklich bewusst sein, welche tatsächlichen Wechsel in meinem Leben vorgenommen worden sind, welche Entscheidungen getroffen worden sind, die sich bereits in wenigen Monaten, teilweise auch schon jetzt offenbaren werden.

Ich will die Dinge gar nicht vertiefen, aber meiner Mitteilungspflicht nachkommen - nicht, dass sich jemand im Nachhinein wundert.

Unmittelbar betroffen sein werden nicht alle - zumindest nicht sofort. Ganz sicher ist es kein geglückter Putschversuch. Kein Despot hat mein Herz eingenommen. Weiterhin bin ich der taumelnde Soldat, mit dem Gewehr in der Hand, der Blauen Blume im Lauf.

An einige: ¡Adiós!. An andere: ¡Bienvenidos!

Ansia, ya no eres más parte de mi vida. No lo intentes, estoy siempre preparado para disparar.

La cuarta, deja de mandar me postales, que no reflejan el intimo de mi alma. No me afectan y todo que me queda es quemar tus letras.

Mi mundo es incomporable con el vuestro. Impenetrable, confuso y doloroso para corazónes frágiles.

Gerechtigkeit (3. May 2008)

“Stress”, so der Titel des neuen Videos von Justice. Dieses Mal passt es zum 1. Mai und den ganzen Krawallen.

Denn anders als die Vorgänger, die mit grafischen Wunderwerken brilliert haben, geht es hier um Jugendgewalt, fast wie eine Milieu-Studie über die Banlieues Frankreichs.

Mann der Inspiration (1. May 2008)

Ich halte Karl Lagerfeld, Chef-Design bei Chanel, für eine der größten Ikonen.

Über Spreeblick bin ich auf sein Interview mit Amir Kassaei (wirkt verängstigt) gestolpert. Und wie dort schon angemerkt: So gut wie jeder Satz von Lagerfeld trifft es und inspiriert mich. Aber was will man von so einem belesenen Mann (mehr als 300.000 Bücher in seinem Besitz) erwarten?

“Ja wissen Sie das Wort ‘Marketing’ da bin ich persönlich dagegen, weil ich das Wort so fürchterlich finde. Auf Deutsch, was heißt das? ‘Auf den Markt gehen?’ (…) Das sind die, die die Kreativen sterilisieren oft, ne?”

“Wissen Sie, Chanel gehört zwei Brüdern. Da sind keine Aktien auf der Börse, wir können machen was wir wollen. Da wird nicht gerechtfertigt. Da kann das Geld aus dem Fenster geschmissen werden, dann kommt’s durch die Tür nämlich sofort wieder rein.”

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