Ein, aus (12. May 2010)
Dies ist – ojala – der letzte Blogeintrag, bevor sich mein Leben komplett ändert. Bevor die Revolution einsetzt, die mit einem Engelsseufzen etwas in Bewegung setzen wird, stärker als jedes Beben auf jedweder Skala.
Wenn wunderschön unfassbares fleischliche Form annimmt; unter uns tritt, das erste Mal den vergänglichen Hauch von sich stößt und mit den Engelschören anstimmt. Der himmlische Schöpfer ein weiteres Mal uns wissen lässt, zu welchen Taten er fähig ist.
Es ist der Moment, in dem ich Vater werde. Ein letztes Mal tief einatmen.
Ein.
Aus.
Und lass es beginnen.
Privilegien eines Bürgermeisters (1. May 2010)
Als wenn es nicht schlimm genug um den Datenschutz steht und die halbe Welt inzwischen alles über sich auf Facebook, Twitter oder studiVZ preisgibt, kommt jetzt ein weiterer Dienst um die Ecke, der einem auch noch das letzte Hemd nimmt: Foursquare.
Foursquare ist ein Lokalisations-Dienst, mit dem man jeder Zeit mitteilen kann, wo man sich gerade befindet, besser gesagt, wo man eincheckt. Mehr wie ein Spiel aufgebaut, gibt es für jeden Check-In Punkte, mit denen man sich Badges erringen kann. Es gibt verschiedene Badges – jemand, der überwiegend Nachts in Lokalitäten eintritt, erhält den Titel “Crunked” – hat nichts mit Lil’ Jon zu tun, sondern steht für “crazy and drunked”. Man kann viele dieser Badges sammeln – Adventurer, Explorer, Superstar, etc.
Daneben gibt es noch etwas besseres: Mayorships: Ist man Mayor eines Ortes besteht die Möglichkeit – sofern der Inhaber mitmacht – Vergünstigungen erhält. Das kann ein kostenfreies Getränk sein oder gratis Kaffee für den Mayor und seine Gäste – kommt ganz auf den Laden an. Starbucks ist vor kurzem eine Partnerschaft mit Foursquare eingegangen. Als Besitzer eines Barista Badges, den man erhält, wenn man fünf verschiedene SBUX-Fillialen besucht hat, kann man sehr wahrscheinlich einen Gratis-Kaffe erhalten.
In Deutschland steckt der Dienst noch in seinen Kinderschuhen, insgesamt wird Foursquare aber in den nächsten Tagen 1.000.0000 User erreichen und wird als das nächste große Ding gefeiert.
Grund genug, dass auch ich ein Teil davon werde und es teste. Grundvoraussetzung ist ein Mobiltelefon mit GPS-Empfänger, in meinem Fall das Palm Pre. Entsprechende Apps sind natürlich ebenfalls für andere Geräte verfügbar.
Für mich hat es schon hier und da seinen Nutzen gezeigt. Ich bin häufiger unterwegs. Während mich beim Autofahren mein Navigations-Gerät unterstützt, sieht es zu Fuß anders aus. In Frankfurt war ich ganz überrascht, wie viele Plätze bereits verfügbar sind. Zwar ist die Ortung teils unheimlich ungenau, denn sie schwankt zwischen 10 Metern und 1,5 Kilometern, im Umkreis lässt sich dennoch der Laden auswählen, in dem man gerade ist. Dank Integration von Facebook und Twitter kann man so auch mit anderen Netzwerken teilen, wo man sich gerade aufhält.
Wenn mal eine Räumlichkeit fehlt, in den man einchecken möchte: Kein Problem, einfach hinzufügen und schon gibt es dafür Bonuspunkte. Es können Bilder hochgeladen werden, Tipps und To Dos für den jeweiligen Ort gegeben werden, um so den anderen Besuchern zu helfen.
Der wahre Nutzen würde sich für mich erklären, wenn andere aus meinen Bekanntenkreis Foursquare nutzen würden. Am Wochenende könnte man sich in der nächsten Stadt zusammenfinden, selbst wenn man es nicht weiß.
Die Rettung der Minze (26. April 2010)

Seit geraumer Zeit leisten mir mehrere Minzen in meinem Kinderbüro (so nenne ich mein Büro, in dem auch meine Tochter bald Einzug nehmen wird) Gesellschaft. Angefangen hat es mit einer gewöhnlichen Pfefferminze (Mentha x piperita), die ich im Supermarkt gesehen hatte. Auf der Suche war ich nach einer Minze, mit der ich meine grünen Tees verfeinern kann und auch so mancherlei Gericht. Zwischen all den vitalen Minzen ergreifte eine mein Herz, nämlich die, die versteckt unter den anderen lag, schon mit teils gelben und braunen Blättern verflucht, da sie kaum Licht bekommen hatte, erdrückt unter den Regalen. Keiner würde sie kaufen, um damit seine Speisen zu veredeln. Doch ich, der Retter der Welt, wollte sie nehmen und sie pflegen. Zeit wollte ich ihr lassen, sich zu regenerieren. In kapitalistischen Zeiten wie diesen, voller Massenproduktion und falschem Makel, wollte ich ihr einen Unterschlupf bieten.
Die zweite Minze (ebenfalls Mentha x piperita) kaufte mir meine Lebensgefährtin eine Woche später, als Zusatz zur gebrochenen Minze. Sie erscheint sehr viel gepflegter, mit kräftig grünen Blättern. Oberflächlichkeit zahlt sich hier aber nicht aus: Schön anzusehen, doch reibt man an den Blättern und riecht anschließend an den Fingern, verfliegt der Mentholgerucht sehr schnell. Also mehr für mich zur Zierde, als zur eigentlichen Nutzung.
Die letzte Minze ist mir ganz speziell. Es handelt sich um eine marokkanische Minze, bekannt als Nanaminze (Mentha spicat var. crispa ‘Marokko’). In Nordafrika ist der Atay B’Nahna (arab. grüner Minztee) unerlässlich und Teil der Teezeremonie, ihr Mentholgerucht unterscheidet sich von dem der gewöhnlichen Minze. Auch sie hat ihren Platz und wird von mir gepflegt.
Nun, seit ich sie habe, hatte ich immer den Eindruck, dass es ihnen nicht so gut geht. Bei der gebrechlichen Pflanze dachte ich mir noch nicht viel dabei, sie kam so schon zu mir. Aber die vitale Minze und die Nanaminze machten es ihr nach, vefärbten ihr Kleid und verloren Blätter. Gleichzeitg wuchsen aber auch fleissig neue Triebe, was für den Kämpfergeist der Gewächse spricht. Ich dachte, sie müssten sich erst an die Umgebung gewöhnen, ist das Bücherregal nicht der beste Platz für sie, hoch dort oben, besser auf der Fensterbank, wo es doch immer wieder zieht.
Nach wenigen Tagen sah ich sie mir genauer an und erblickte sie, das Grauen der Gärtner. Schon seit ich jung bin, sind sie es, die mir immer wieder begegnen, Erklärungen dafür geben, warum so manch Gewächs nicht so gedeiht, wie man es sich wünscht.
3.000 Arten gibt es von ihr, wobei es für mich immer die selben sind. Sie haben einen Stechrüssel, mit dem sie sich über ihre Opfer hermachen, Vampire der Pflanzenwelt. Infanterie und Luftwaffe gibt es, also geflügelte Dämonen und ungeflügelte Goblins. Wie die Heilige Maria, vermehren sie sich durch Jungfernzeugung, aber man darf sie nicht täuschen lassen! Verführerisch klingt der Honigtau, den sie bei ihren Raubzügen hinterlassen, davon darf man sich nicht blenden lassen. Sie sind älter als Adam und Eva, wahrscheinlich Erzrivalen wie die Schlange, haben sie schon am Apfelbaum im Garten Eden genagt! 280 Millionen Jahre sollen es sein, wurden schon eingeschlossen in Bernstein gefunden.
Einige mögen es schon erkannt haben, an ihren widerwärtigen Methoden: Die Kühe der Ameisen, die gemeine (um nicht zu sagen bösartige) Blattlaus (Aphidoidea). Meine Eltern haben einen wunderschönen Rosenstock, den ich früher am Abend immer gerne besucht habe. Schon dort sind sie in Legionen über frische Triebe hergefallen. Jedes Mal wieder habe ich es versucht, mit Drohungen und Platzverweisen, wie gegen Protestanten habe ich Wasserwerfer eingesetzt. Ohne zu wissen, dass es der größte Fehler ist, den man machen kann: Versetzt man die Tiere in Unruhe, zum Beispiel dadurch, dass sie statt zu fressen sich viel bewegen oder schmeisst man sie von ihrem Wirt herunter, senden Sie einen Alarmlockstoff aus, der dazu führt, dass sie von der Jungfernzeugung zur normalen Produktion übergehen und ihre geflügelten Spezialeinheiten aussenden.
Sonst ist es so, dass die weibliche Blattlaus um die 10 Klone (sie sind uns voraus!) zur Welt bringt und sich im Herbst “fortpflanzt”. Umgesetzt auf den Menschen würde das bedeuten, nur alle 400 Jahre Sex zu haben. So zumindest ein populistischer Artikel auf sueddeutsche.de.
Aber nicht nur das, Blattläuse sind auch Märtyrer: Die Tierchen bilden Gallen an Pflanzen, das sind Geschwüre, in denen sie sich befinden. Diese Gallen werden besonders von Mottenlarven gerne durchbohrt – in diesem Moment opfern sich die Läuse selbst, in dem sie mit ihrem eigenen Körpersaft das Loch wieder verschließen, teils sogar ihren eigenen Körper.
Bei solchen Methoden der modernen Kriegsführung muss man sich nicht wundern, dass selbst der guerrero trastornado schwer ins Wanken kommt. Neige ich sonst bei Schädligen aller Art dazu, mich humanen Mitteln zu bedienen, verliere ich bei diesem Gegner meinen letzten Willen zur Diplomatie.
Allnächtlich, meist also dann, wenn ich meinen grünen Tee mit Minze trinke und mich dabei frage, was wohl meine eigenen Minzen machen, hole ich die Töpfe von meinem Bücherregal. Ich lauere ihnen dann auf, jeder einzelnen Laus. Schon bald zeigt sich dann mein grüner Daumen: Nachdem ich jede einzelnen Soldat mit roher Gewalt und meinen bloßen Fingern zerquetsche. Zur Hilfe geht mir dabei auch eine kleine Spinne, die mit ihrer hohen Webkunst die feindlichen Truppen auf der Nanaminze dezimiert. An dieser Stelle möchte ich diesem göttlichen achtbeinigen (Vishnu, eine Gottheit aus dem Hinduismus hat ebenfalls acht Arme) für diesen Dienst vielmals danken.
Jeden Tag wiederholt sich dieses Gefecht. Manchmal dauert es mehrere Stunden, denn erst dann wandert wieder einer von ihnen aus dem Dickicht, um sich mit mir zu messen.
Inzwischen habe ich mir auch Tötungsmaschinen zugelegt. Fischige Raptoren, die mich bei der Exekution unterstützen. Nimmersatte Mäuler, die sich gierig auf ihre grünen Opfer stürzen, sobald einer von ihnen ihr Territorium betritt. Hechtartige Halbschnäbler (Dermogenis pusillus), artverwandt mit Barrakudas, man könnte jedoch auch an Verwandschaft zu Haien glauben, beobachtet man ihr barbarisches Treiben.

Wirklich, Amnesty International: Ich habe es versucht. Ich habe mit ihnen gesprochen, dabei auf meine langjährige Erfahrung gesetzt. Ich hätte ihnen Ausweichmöglichkeiten angeboten, die gewiss im Winter schwer zu finden sind. Mit harmlosen Wasser wollte ich ihnen eine Chance geben, selbst als ich mit dem Brennnessel-Sud begann, zeigten sie sich sturr. Als dann die ersten “grünen Jets” damit drohten, auch in benachbarte Städte einzufallen, musste ich handeln.
Dennoch, obwohl ich am Morgengrauen immer als Sieger hervorgehe und die Minzen es mir mittlerweile mit neuen Blättern danken, will ich mich noch nicht zu früh freuen: Ich habe gehört, diese Läuse können sehr schnell Resisdenzen bilden und gehören zu den erfolgreichsten Schädlingen, die die Welt bisher kennt. Wer weiß: Vielleicht täuschen sich mir nur, haben schon längst eine andere Pflanze befallen, hier im Haus. Im Kinderbüro vielleicht schon.
Erykah Badu – Window Seat (24. April 2010)
Erykah Badu, eine durchgeknallte aber doch geniale Sängerin, hat vor kurzem ein neues, sehr gewagtes Video veröffentlicht. Um das Video schlüssiger zu machen: Gedreht wurde das Video an dem Ort, an dem JFK erschossen wurde.
Vor kurzem ist ihr neues Album (New Amerykah, Pt. 2 – The Return Of The Ankh) erschienen. Bin noch etwas unschlüssig, ob ich es mir wirklich kaufen soll. Dieser Song überzeugt mich ganz, doch Badu driftet gerne in sehr wirre, wenn auch sehr soulige Musik ab.
The lifesaver is dead. (21. April 2010)
Meine Augen schon schwer, genau wie der heutige Tag, wollte ich schon den Cousin des Todes einlassen, als ich bei Twitter folgendes erfahren habe: Guru ist gestern an einem Krebsleiden gestorben.
Der ein oder andere hatte es vielleicht mitbekommen: Ende Februar erlitt Guru einen Herzinfarkt und lag im Koma. Die ganze Welt bangte um ihn, keiner wusste genaueres. MC Solaar, sein langjähriger Freund und Rapper aus Frankreich, verkündete aber bereits Anfang März, dass Guru nach einer Operation wieder auf dem Weg der Besserung sei. Für mich Entwarnung.
Und heute erfahre ich um diese Uhrzeit, dass Guru tot ist. An Schlaf ist nicht mehr zu denken, viel zu viel geht mir durch den Kopf. Gestern ging er von uns, nach einem langen Kampf erlag er dem Krebs.
Besonders stark beeinflusst hat mich Jazzmatazz, sein Jazzprojekt, in dem namenhafte Jazzmusiker mit Hip Hoppern eine Fusion in Richtung Jazz-Rap schuf. Wochenlange lief das erste Album Jazzmatazz Vol. 1 bei mir, noch heute sind die Tracks teil meiner Playlist und werden regelmäßig gespielt.
Vielen sollte aber mehr die legendäre Formation GangStarr aus ihm und DJ Premier ein Begriff sein, zuletzt das Album “The Ownerz” aus dem Jahre 2003, welches selbstverständlich auch bei mir lang und oft gespielt wurde.
Mit Guru verbindet mich ein besonderer Moment: Der Tag, an dem meine Katze starb. An diesem Tag höre ich Gurus “Lifesaver” – wenn ich es heute spiele, lässt es die Emotionen von damals aufleben.
Dafür reicht es schon, sich die ersten gesprochenen Worte anzuhören, Emotionen wiedergeboren, Tode wieder gestorben.
“Is this really the end or is it a new beginning? A new reality?”
Mit jungen 43 Jahren bist du von uns gegangen. Jetzt wirst du die diese Frage beantworten können. Ruhe in Frieden, mein muslimischer Bruder.
Ausbrennen (30. March 2010)
Auf der Suche nach den letzten Schimmern trägt mich der samtene Wind durch die blaue Tiefe Ich schweife ab in meinen leeren Herzschlag vergesse mich selbst vergessen längst mein letzter Augenschlag MIch selbst verirrt und verloren lasse sie gehen glänzend fallen sie von mir hinab wie ausbrennende Sternschnuppen Ergreife in ihrem Körper das Funkeln der Irrlichter Entzünde das fantastische Feuerwerk der Einsamkeit zerreisse den trüben Schleier dieser Welt Ein Rätsel ich dir bin weil meine Sehnsucht dir fremd Auf deiner Suche nach Freude treibt dich der Cognac in die Besinnungslosigkeit Reibst deinen schwitzenden Leib an fremde Menschen im Takt der leeren Melodie Auf der Suche nach Befriedigung treibt dich der Cognac in die Besinnungslosigkeit Der schwere Taktschlag treibt dich voran schwitzend dein Körper Dein Anblick ist tief in mir Teil von mir Was dir bleibt sind nur Tränen die glänzend hinab fallen ausbrennen wie Sternschnuppen Dein Blick ist trüb lässt die Welt für dich erscheinen wie Ich fliehe vor dir hinterlassen habe ich nur die Tränen Dein Anblick tief in Was bleibt sind Tränen die glänzend hinab fallen aus brennen wie Sternschnuppen Was bleibt sind Tränen die glänzend hinab fallen ausbrennen wie Sternschnuppen Alles vergänglich Vergänlich alles erscheint im Angesicht deines blassen traurigen Denn nichts ist etwas wert wenn ich deine Augen erblicke Tränen die glänzend herabfallen erinnernd an ausleuchtende Sternschnuppen Wird mir bewusst wie zerbrechlich Nichts ist mehr etwas wert erblicke ich dein Angesicht Weder wissend wer oder was ich bin vergessen auch mein letzter Augenschlag Tränen die glänzend nach unten fallen Gleichnis ausbrennender Sternschnuppen Treibend mich der Herzschlag bebend mein ganzer Körper Die Wärme spürend Ich weiß nichts mehr von letzter Nacht In dieser blauen Tiefe suchend nach funkelnder Wärme Verirrt und verloren streife ich durch die schwere Nacht Auf der Suche nach Schimmern in dieser blauen Tiefe trägt mich der samtene Wind in deine Stube Verhaltene Worte des Verlangens mir entweichen Verliere ich mich Mir nicht bewusst in welcher Schon längst vergessen die letzten Momente lockt mich die Wärme zu dir Sanfte schwache Töne des Verlangens entwichen mir Ich trete heran zu dir spüre mich nicht mehr erkenne mich längst nicht mehr
Nur
uns
ausbrennende
Sternschnuppen
Handsome Men’s Club (23. March 2010)
Ein Club, dessen Beitritt ich vor längerer Zeit abgeleh… Jimmy Kimmel hat erneut Hollywoods Riege versammelt und präsentiert uns seinen Handsome Men’s Club. Schon wie damals einfach grandios, wenn auch weniger. musikalisch
Einer dieser Abende (22. March 2010)
Es ist einer dieser Abende. Die Nacht strebt ihrer Geburt entgegen. Die Dunkelheit zieht ein, die Menschen kehren in ihre Häuser ein und die Ruhe kommt mir entgegen wie ein warmer Wind. Und ich sitze dort, wie an einem dieser Abende. Meine Gedanken breiten sich aus, wie die Teeblätter in meiner Kanne.
Passionierter Teetrinker. Gunpowder mit Nanaminze – ich liebe grünen Tee. Lasse ihn nicht zu lange ziehen, denn ich wünsche mir die berauschende Wirkung. Trinke aus orientalischen Teegläsern, unterstützen den Geschmack, Orient kommt meinem Seelenwesen am nächsten. Habe mich eingedeckt, auf den grünen Tee folgt der schwarze Tee, Assam ist meine Lieblingssorte.
Im Hintergrund der Soundtrack meiner Nacht. Nachdenklicher Hip Hop wechselt mit virtuosen Jazz, heißblütiger Salsa, sehnlichem Tango. Wie an einem dieser Sonnabenden, Thelonius Monk lässt mich schwer werden, meinen Herzschlag zaghafter werden, so dass ich ihm lauschen kann. Oh blauer Zug, blauer Dunst, nimm mich ein ‘gen Mitternacht.
Es ist einer dieser Abende. Aber diese Abende haben sich geändert. Ich sitze nicht mehr dort, inmitten des Schlachtfelds. Inzwischen habe ich eine Zuflucht gefunden, in der ich mich verfassen kann. Mein Leben hat sich geändert und mit diesem Wandel auch ich, selbst mein Herz.
Meine Zuflucht, zugleich mein Lanzarett. Die Sehnsucht, von der ich solange geschrieben habe, wird mehr und mehr gestillt. Ich bin in einer Beziehung, bin ein Liebender geworden, Tag für Tag mehr. Und unsere Liebe wird Früchte tragen: Bald werde ich unseren Nachwuchs in der Welt begrüßen dürfen. Sina-Sophie, es erwartet dich mehr als der beste Vater auf die Welt. Nicht mehr lange und wir halten dich in unseren Armen, schenken dir unsere wachsende Liebe.
Für manche klingt es unglaublich und viele werden sich über meinen Wandeln wundern. Innerhalb von einem Jahr hat sich mein Leben revolutioniert. Doch nicht alles hat sich geändert. Ich bin weiterhin der Tanguerrero trastornado. Damals schrieb ich von Elenas Grab. Und als wären es die Geister die ich rief, poltern sie hin und wieder durch meine Seele. Ich treibe sie dann und wann wieder aus, doch man kann seine Vergangenheit nicht immer ablegen. Das, was mich damals am Leben gehalten hat, kann es heute nicht vernichten.
I’m a back by public demand? Nah, kann man nicht sagen. Sicher, hin und wieder kamen Stimmen hoch, die von meinem Blog gesprochen haben. Es ist mehr das Verlangen meiner Seele. Die ersten Einträge aus diesem Blog sind inzwischen mehr als 2 Jahre alt. Lese ich sie heute, erinnere ich mich zurück an alte Zeiten. Sehe, dass auch andere daran interessiert waren. So möchte ich es fortführen, denn es gibt viel neues zu berichten.
In meinem Blog wird weiterhin persönliches eine Rolle spielen. Zwischen Sinnkrisen und Sinnspielen, alles wird dabei sein, authentisch aus den Vorhöfen meines Herzens. Die Themen, die mich interessieren, sind breiter gefächert als noch damals. Wer will nicht von den Eskapaden eines jungen Vaters hören, der seine Partnerin mit seinem südländischen Temperament zur Weissglut treibt?
Selbst der Pulpo wird wieder einkehren, versprochen. Fortsetzung des ersten Videos und zwar mit besseren Soundtrack. Wie das zu schaffen ist? Wird sich zeigen.
Ich freue mich, wieder einen Atemzug in diesen Sphären hinterlassen zu dürfen. Bitte um Verständnis, wenn ich nicht immer die tägliche oder wöchentliche Frequenz halten kann, weil ich es auch nicht will.
Denn es ist zwar einer dieser Abenden, jedoch haben sich diese Abende verändert.
Freiheit (19. August 2008)
Lange ist es her, dass ich etwas geschrieben habe. Grund war nicht nur die wenige Zeit, sondern dass auch etwas neues in der Pipeline ist. Freiheit, das habe ich genutzt, passender Song.
Zum neuen Song, den Curse bringt. Er wird immer wieder an seinen Vorgängern gemessen werden. Sein Album “Von Innen Nach Aussen” ist so etwas wie das “Illmatic” von Nas für die Fans. Hat mich über die schwärzeste Zeit meines Lebens gebracht, meine Sicht der Dinge stark geprägt. Allerdings halte ich mich ungern an der Vergangenheit fest, sondern sehe, was jetzt kommt. “Freiheit” ist interessant, hat einen guten Text, aber musikalisch überzeugt es mich nicht ganz. Zu wenig Feuer im Hinter für den Titeltrack, zu wenig Überlebenskampf, was er nur in einigen Zeilen anbricht.
Dennoch, ich bin verdammt gespannt auf das Album. Soll einige Überraschungen beinhalten.




